MenoVia® Reisetagebuch 🌺
Der persönliche Kontakt zu meinen Klientinnen ist für mich die Basis meiner täglichen Arbeit. Hier berichte ich in loser Reihenfolge darüber.
Reisetagebuch Teil I
3 Tage, 3 Freundinnen, 1 Thema: Was zum Teufel ist bloss los mit mir?
Drei Frauen Mitte 50 treffen sich zum Plausch über ihre aktuelle Lebenssituation:
Die Kinder sind nun alle aus dem Haus, die Menopause-Symptome ständig nervig präsent, und den Ehemann sieht man momentan am liebsten von hinten, wenn er zur Arbeit geht.
Was ist passiert?
Alles im Leben fühlt sich momentan an, wie auf den Kopf gestellt:
Nachts keinen Schlaf finden und dann am Morgen wie gerädert aufwachen.
Energielos durch den Tag schleichen und irgendwie alles in Frage stellen: Ehe, Familie, Job, Freunde, die Lebenssituation allgemein…
Und dann dieses Haus, in dem man seit Jahren lebt. Gebaut und vom Leben abgespart, in dem die Kinder gross geworden sind und sich so manches Ehedrama abgespielt hat.
Jetzt passt es nicht mehr zu uns, es fühlt sich leer an und gleichzeitig wie eine vergangene Lebenskulisse.
Wir sitzen zusammen, trinken ein Glas Wein und erzählen uns von unseren Erfahrungen der letzten Jahre und wie wir mit dem Verlust unseres früheren, selbstverständlichen Daseins umgehen: attraktiv und begehrenswert zu sein, multitaske Ehefrau und Mutter (das machen wir doch mit links), Lieblingsjob erkämpft (endlich das eigene Business, das wir immer haben wollten) und mindestens zweimal die Woche Party bis morgens um drei.
Und nun? Alles vorbei? Keine Partys, kein erholsamer Schlaf, Augenringe und deprimierende Einsamkeit. Das Haus, das uns an glückliche Tage mit der Familie erinnert, belastet mehr als früher der permanent zu niedrige Kontostand.
Wir reden uns den Frust von der Seele und erkennen, dass es hilft, einfach mal wieder zusammenzusitzen und unter Schwestern im Geiste zu sein. Keine Scham, keine Schuldgefühle und Zusammengehörigkeit zu spüren. Nestwärme.
Wir sind erleichtert, nicht allein mit unseren Problemen zu sein und schmieden grosse Pläne: Regelmässige Mädels-Treffen, gemeinsame Reisen und den Umbau der „Familien-Residenz“ in ein Zuhause, wo wir uns die nächsten Jahre wohlfühlen werden.
Wie das mit dem Mädels-Umbau funktioniert?
Das erzähle ich euch im nächsten Beitrag.
Und ganz konkret auch, wie ich es bei mir persönlich umgesetzt habe. Als Architektin und Frau in der besten Phase ihres Lebens.
Reisetagebuch Teil II
Für sie war nicht der Umbau das eigentliche Problem. Sondern das Gefühl, ihn allein bewältigen zu müssen.
Als ich bei meiner Klientin ankam, war das Chaos nicht zu übersehen:
Kisten, Baumaterial, angefangene Arbeiten – und mittendrin eine Frau, die gesundheitlich und persönlich ohnehin schon sehr viel zu tragen hatte.
Ich spürte ihre Unruhe und Hilflosigkeit sofort.
Und gleichzeitig wurde es in meinem Kopf ganz ruhig. Denn ich wusste: Jetzt geht es nicht um Materialien, Termine oder schöne Grundrisse.
Zuerst musste sie hören: „Du bist damit nicht allein. Ich bin jetzt da. Wir schauen gemeinsam, wie es weitergeht.“
Dann haben wir sortiert:
Was ist jetzt wirklich wichtig?
Was kann warten?
Wer kann helfen?
Und irgendwann haben wir uns dann ausgemalt, wie schön ihr Zuhause einmal werden kann.
Plötzlich war da nicht mehr nur Chaos.
Da war wieder eine Perspektive.
Mein Besuch bei ihr hat mir ganz klar gezeigt:
In belastenden Lebensphasen brauchen wir nicht immer sofort einen fertigen Plan.
Wir brauchen einen Menschen, der mit uns hinschaut, mitdenkt und den nächsten Schritt erkennt.
Genau so verstehe ich MenoVia®:
Nicht nur ein einzelnes Problem betrachten.
Sondern die Frau, ihr Leben und die Räume, in denen dieses Leben stattfindet.
Reisetagebuch Teil III
„Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll.“
Sie steht vor mir, schaut mich an mit Tränen in den Augen. Ich spüre ihre Verzweiflung, erinnere mich an ähnliche Momente in meinem eigenen Leben. Keine schöne Situation.
Ich weiss, sie meinte damit längst nicht nur ihren Umbau:
Da war ihre eigene gesundheitliche Situation.
Die Sorge um ihren kranken Partner.
Die vielen Entscheidungen, die trotzdem getroffen werden müssen.
Und das Gefühl, für alles gleichzeitig verantwortlich zu sein, allein und ohne Unterstützung.
Ich konnte gut verstehen, warum sie emotional so überfordert war, denn der jetzt nötige Umbau ist nur ein weiterer Punkt auf ihrer ohnehin schon viel zu langen To do Liste.
Wir schauen uns an und beschliessen, dass wir gemeinsam die Ärmel hochkrempeln werden:
Ihr Zuhause darf für sie nicht noch länger eine zusätzliche Belastung sein. Sie braucht dringend mehr Unterstützung, damit es vorwärts geht.
Der Umbau ist wichtig, er macht künftig ihren Alltag leichter.
Er gibt ihr Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft.
Rückzug ist möglich, wenn Kämpfe ihr die Kraft rauben.
Ein Neuanfang auch für sie, die sich in ihrer Rolle als Frau gerade neu definieren muss.
Wir haben aber nicht nur darüber gesprochen, was umgebaut werden muss.
Wir haben zusätzlich überlegt:
Was würde sie im Alltag entlasten? Wer kann ihr noch mit seinem Know-how oder unmittelbarer Unterstützung unter die Arme greifen?
Was braucht ihr Partner? Natürlich barrierefreie Räume, aber vielleicht auch mal jemanden zum Reden. Und zum Zuhören, denn er möchte das künftige Zuhause mitgestalten.
Viele Punkte, die es zu berücksichtigen gibt.
Aber genau darin liegt für mich der Perspektivwechsel:
Ein wirkliches Zuhause ist keine Ansammlung schön gestalteter Räume.
Es ist Teil unseres Lebens. Eines gemeinsamen Lebens.
Gerade in schwierigen Lebensphasen kann es uns zusätzlich belasten – oder uns einen Neuanfang bringen.
Aus der Belastung heraus eine neue Gemeinsamkeit entwickeln. Das ist für mich die schönste Perspektive. Und an dieser werden wir gemeinsam arbeiten. Schritt für Schritt.
Reisetagebuch Part IV
Mein Rückzugsort im eigenen Zuhause ist meine Kraftquelle.
Dorthin ziehe ich mich zurück, wenn mir alles zu viel wird:
Wenn ich müde bin.
Wenn meine Gedanken kreisen.
Oder wenn ich einfach einen Moment brauche, in dem niemand etwas von mir möchte.
Ich schliesse die Tür und komme langsam bei mir an.
Auf der Rückreise von meiner Klientin musste ich genau daran denken.
Sie kümmert sich um ihren kranken Partner, kämpft mit ihrer eigenen gesundheitlichen Situation und soll gleichzeitig unzählige Entscheidungen für den Umbau treffen.
Haben wir für sie einen Ort geplant, an dem sie neue Kraft schöpfen kann? Diese Frage nehme ich immer mit in meine Beratung.
Ich frage nicht nur:
Wie sollen die Räume aussehen?
Welche Materialien gefallen dir?
Was muss umgebaut werden?
Ich möchte wissen:
Wo kannst du ungestört sein?
Was hilft dir, zur Ruhe zu kommen?
Was brauchst du, wenn dein Alltag dir die Kraft raubt?
Ein Rückzugsort muss dabei nicht immer ein zusätzliches Zimmer sein.
Manchmal reicht eine geschützte Ecke.
Ein Platz am Fenster.
Ein bequemer Sessel.
Ruhe, gutes Licht und das Gefühl: Hier darf ich einfach sein.
Von dort aus können wir weiterdenken.
Was fehlt gerade noch?
Besserer Schlaf?
Mehr Bewegung?
Eine andere Ernährung?
Emotionale Entlastung oder Unterstützung von aussen?
Damit endet mein Reisetagebuch.
Die wichtigste Erkenntnis nehme ich mit:
Ein Zuhause sollte nicht nur funktionieren. Es sollte unsere Kraftquelle sein.